Mit seiner Aktion „Fußball gegen Gewalt“ hat Kay Hoedtke eine sehr unterstützenswerte Aktion ins Leben gerufen. Mit meinem Label fussballpsychologie.de und meiner Tätigkeit als Sportpsychologe und Mentaltrainer möchte ich meinen Beitrag dazu leisten. Es geht in der Sportpsychologie – natürlich – um Methoden zur Leistungssteigerung. Aber was bedeutet das in letzter Konsequenz? Es bedeutet, dass sich die Spieler und Trainer – unabhängig von der Ligazugehörigkeit – stärker mit sich selbst befassen und ein besseres Gefühl für ihre Motivationen, Stärken und Schwächen bekommen. Sich gut konzentrieren zu können oder sich situationsgemäß zu aktivieren oder zu entspannen, sind Fähigkeiten, welche in jeder Lebenssituation notwendig sind und ebenso erlernt werden müssen, wie das Passen und Dribbeln. Diese Fähigkeiten helfen, ein Gefühl für den richtigen Umgang mit den eigenen Aggressionen und dem eigenen Durchsetzungsvermögen zu bekommen. Und das ist es, was diese Aktion erreichen möchte: ansehnlicher und kampfstarker Fußball ja – Durchsetzung um jeden Preis nein.
Was beinhaltet eigentlich das mentale Training im Sport?
Fußball als azyklischer Mannschaftssport lebt davon, daß die Spieler über den Wert ihrer Aktionen sofortiges Feedback bekommen (anders als beispielsweise im Marathon oder Schwimmen, wo die Athleten das Feedback zum Ende des Wettkampfes erhalten).
Das bedeutet:
a) je präziser und schneller die Spieler ihre Aktionen durchführen, desto wahrscheinlicher ist ihr Erfolg und
b) die Spieler müssen ihre Einsatzbereitschaft und Spielfähigkeit unabhängig machen von Erfolg oder Misserfolg ihrer Aktionen.
Das Mentaltraining ist ein Teil der Sportpsychologie und beschäftigt sich damit, diese beiden Punkte mit geeigneten Methoden zu erreichen.
Für Punkt a) bietet sich das Training von 4 Parametern an: Konzentration, Motivation, Ballgefühl und mentale Stärke.
Punkt b) wird erreicht durch die Analyse der Grundmotive der einzelnen Spieler.
Drei Basismotive beherrschen unser Leben:
Macht (Durchsetzung), Beziehungsgestaltung und Leistungsstreben. Wer Fußball hauptsächlich spielt, um seine Durchsetzungsfähigkeit zu demonstrieren, der wird Schwierigkeiten haben, mit Misserfolgen (wie sie der Fußball regelmäßig mit sich bringt) vernünftig umzugehen. Es ist sehr sinnvoll, einen Ausgleich aller drei Motive anzustreben, denn wer wirklich erfolgreich Fußball spielen möchte, muß auch versuchen, seine Leistung zu verbessern und seine Beziehungen besser zu gestalten.
Die Folge einer derart gestalteten Arbeit sollte eine Steigerung der persönlichen und mannschaftlichen Entwicklung sein. Wenn es den Trainern gelingt, ihrer Arbeit diese Werte hinzuzufügen, kann dies ein wichtiger Schritt sein, das Ziel der Aktion "Fussball gegen Gewalt" zu erreichen.