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Dass wir beim Fussball derzeit ein so hohes Potenzial an Gewaltbereitschaft haben, hat meiner Ansicht nach mehrere Gründe. Zum einen bringen die Spieler ihre persönlichen und sozialen Probleme mit auf den Platz und leben diese dort voll aus. Zum anderen fehlt es in vielen Mannschaften an Identifikation. Spieler wechseln häufig in der Jugend die Vereine und bauen kaum noch engere Verbindungen auf. Dadurch wird der Aufbau einer Gemeinschaft mit ihren gruppendynamischen Effekten und Eigenschaften sehr schwierig. Mannschaftsgeist, Respekt oder Mitgefühl untereinander bleiben auf der Strecke. Wenn innerhalb der Mannschaft solche Werte nicht existieren, werden sie auch anderen gegenüber nicht praktiziert. Diese Werte müssen den Spielern aber bereits in der Jugend vermittelt werden. Heute werden die Jugendspieler oftmals nur leistungsbezogen ausgebildet, die soziale Ausbildung wird vernachlässigt. Aber gerade in einer Gemeinschaft ist der Umgang miteinander von zentraler Bedeutung. Nur wenn ich den anderen respektiere und unterstütze wird die Mannschaft als Einheit funktionieren. Spaß und Erfolg stellen sich dann fast automatisch ein.
Im Folgenden habe ich einige Maßnahmen zusammengetragen, die ich selber schon erfolgreich angewendet habe, um den Gemeinschaftssinn der Mannschaft zu stärken.
Jugendarbeit
Eltern-Kind-Training (G-E-Jugend)
Väter/Mütter trainieren ein bis zweimal im Jahr gemeinsam mit ihren Kindern unter der Anweisung des Trainers – das macht allen Spaß, fördert den Teamgeist sowie den Respekt voreinander.
Ziel: Eltern stehen hinter ihren Kindern und der Sportart und können selber erzieherisch mitwirken.
Spielerpaten
Unter Anleitung des Jugendtrainers betreuen Herrenspieler einen Jugendlichen mehrmals im Jahr bei dessen Trainingseinheit. Die Kinder lernen von den Erwachsenen und freuen sich über die Betreuung, darüber hinaus fördert man das Vereinsleben und festigt die Gemeinschaft. Die Herren sollten somit ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.
Nachbereitung
Für Kinder ist zunächst der Spaß am Spiel von entscheidender Bedeutung. Sie fragen noch nicht nach dem Sinn der Trainingseinheiten, dennoch ist es bereits bei den jungen Akteuren wichtig, ein gewisses Verständnis für die Übungen zu entwickeln. Der Trainer kann Fortschritte und Lerneffekte in kurzen Sitzungen nach Training oder Spiel gezielt erfragen und gegebenenfalls nacharbeiten. Das hat den Vorteil, dass er selber mehr über die Einstellungen der Kinder erfährt. Die widerum lernen frühzeitig sich bewusst mit Inhalten auseinander zu setzen.
Gemütliche Runde
Nach den Spielen setzen sich Trainer, Kinder und Eltern in einer entspannten Runde zusammen. Bei kühlen Getränken tauscht man die Eindrücke des Spiels aus
und erfährt mehr über die anderen Mitspieler. Völlig zwanglos fördert man so den Mannschaftsgeist.
Verhaltensregeln
Erfolgreiche Trainerarbeit ist weit mehr, als nur die Spieler technisch und körperlich fit zu machen. Der Trainer muss verstehen, wie seine Spieler mental eingestellt sind.
Gerade heute haben es Trainer mit den unterschiedlichsten Charakteren und sozialen Umständen zu tun, die zu einer Einheit geformt werden müssen. Ausgeprägter Egoismus, fehlender Respekt vor Trainer oder Mitspieler sowie mangelnder Teamgeist machen die Aufgabe nicht leichter.
Daher ist es wichtig, bereits vor der Saison Regeln innerhalb der Mannschaft fest zu legen. Die beinhalten den Umgang miteinander, aber auch das Verhalten gegenüber Außenstehenden. Verstöße gegen die Vereinbarungen werden von der Mannschaft geahndet. Langfristig sollten das die Spieler verstehen und umsetzen.
Eine Mannschaft
Jeder Spieler muss von vorn herein verstehen, dass man eine erfolgreiche Saison nur mit der gesamten Mannschaft bestreiten kann. Nicht nur der Akteur auf dem Feld wird gebraucht, sondern auch die Reservisten, die unterstützend auf der Bank sitzen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die bessere Integration neuer Spieler. In vielen Vereinen rotiert das Spielerkarussel sehr häufig. Spieler kennen oft kaum noch die Vereinsphilosophie und identifizieren sich auch nicht mehr damit. Der Aufbau einer funktionierenden Gemeinschaft wird dadurch zusätzlich erschwert.
Veranstaltet werden könnten vor der Saison gemeinsame Abende, bei denen sich alle besser kennen lernen. So entstehen vielleicht neue Freundschaften neben dem Fussball. Man muss den Neuen zeigen, was den Verein ausmacht, zum Beispiel in dem man ihnen die eigene Mannschaftshymne bei bringt . Nach den sportlichen Erfolgen könnten alle gemeinsam beim Feiern singen, das macht Laune und fördert das Gemeinschaftsgefühl.
Das Kollektiv sollte auch dafür Sorge tragen, dass alte und neue Spieler schnell miteinander harmonieren. Vorurteile und Konkurrenzdenken müssen im Vorfeld abgebaut werden, jedem muss das Gesamtziel vor Augen geführt werden und das es nur mit der gesamten Mannschaft erreichbar ist.
Der Trainer
Er ist so etwas wie der Dompteur in einer Zirkusarena. Seine Aufgabe besteht darin, seine Spieler mit ihren unterschiedlichsten Charakteren zu einem einheitlichen Gefüge zu organisieren, sich Respekt und Anerkennung zu erarbeiten, um letztlich Erfolg zu haben.
Dabei muss er sich der Verantwortung gegenüber der Mannschaft wie auch dem einzelnen Spieler bewusst sein. Denn einerseits wird der Erfolg nur mit der Mannschaft möglich sein, die spielerisch und kämpferisch die besten Akteure aufbieten kann. Andererseits will aber auch jeder Spieler zum Einsatz kommen.
In Einzel- und Gruppengesprächen sollte der Trainer versuchen, die Spieler von seinem Konzept zu überzeugen, ihnen ihre Rolle in der Mannschaft klar machen und seinerseits Ideen und Vorschläge in seine Entscheidungen mit ein beziehen.
Neben der sportlichen Ausbildung ist es für den Trainer ebenso wichtig, seine Spieler auch zwischenmenschlich zu kennen und zu erreichen. Manchmal gibt es private Probleme, die sich durchaus beim Sport auswirken können. Der Trainer sollte sich damit auseinander setzen, den betroffenen Spieler auffangen und ihm das Gefühl von Geborgenheit und Unterstützung vermitteln.
Mit gezielten und abwechslungsreichen Übungseinheiten kann der Trainer zusätzlich seine Spieler motivieren, sich im Team zu engagieren. Gemeinsam bewältigen sie Aufgaben, die das „Wir-Gefühl stärken“. Eine harmonierende Mannschaft wird dann auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten.
Schafft es der Trainer, Werte wie Respekt, Verantwortung, Zusammenhalt und Mitgefühl innerhalb der Mannschaft zu vermitteln, werden seine Jungs auch gegenüber Schiedsrichtern oder Gegenspielern diese Werte verkörpern.
Training
Es können nicht alle Freunde sein. In jeder Mannschaft gibt es natürlich auch Konflikte. Manche Charaktere müssen erst zusammen wachsen. Der Trainer sollte versuchen, sie im Training zu formen. In Übungseinheiten müssen sie gemeinsam Aufgaben bewältigen und Lösungen erarbeiten. Mögliche Spannungen werden abgebaut, das bessere Verständnis zahlt sich im Spiel später aus.
Spiel
Im unteren Amateurbereich möchten alle Spieler zum Einsatz kommen. Fussball betreiben alle als Hobby und aus Spaß am Spiel, man möchte sich bewegen und nicht nur auf der Bank sitzen.
Spieler werden ausgewechselt, weil sie an diesem Tag nicht gut drauf sind, aus taktischen Gründen und damit auch der Mannschaftskollege spielen darf.
Verbale oder körperliche Eskapaden einzelner Spieler schaden dem Spielkonzept der eigenen Mannschaft. Die Konzentration geht verloren, keiner hält sich mehr an das Spielsystem und am Ende verliert man deshalb die Punkte.
Die Werte, die einem Spieler im Verein vermittelt werden, sind durchaus hilfreich im normalen Alltagsleben.
Euer Kay Hödtke
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